“Ein neues berufliches Selbstverständnis finden”

Crossmediales Arbeiten in Redaktionen stand im Mittelpunkt eines Workshops im Rahmen der DJV-Veranstaltung Besser Online in München. Sind wir schon crossmedial – und wenn ja wie? Dieser und anderen Fragen zum Thema  gingen Hans Helmreich, Redaktionsleiter von BR online, Markus Hündgen (videopunks.de), Steffen Leidel (Trainer für Onlinejournalismus) und Christian Jakubetz (Geschäftsführer imfeld media) nach. Moderation Peter Welchering vom DJV-Fachausschuss Online.

Crossmediales Arbeiten, darin waren sich die Diskutanten einig, kann nicht heißen, dass „Jeder Alles“ mache. Hans Helmreich machte es am Beispiel des Jugendprojektes on3 des Bayrischen Rundfunks deutlich. Gemeinsame Planung eines Themas, dann arbeitet jedes Medium in seinem Feld optimal an der Umsetzung. Der Journalist habe grundsätzlich die Überlegungen anzustellen, welcher Aspekt läuft in welchem Medium am besten und welchen dieser Stränge kann ich am besten bedienen.

Von Beginn an anders denken, in der Ausbildung jedes Medium kennen lernen, das war für Steffen Leidel wichtig. Online Medien erfordern nach Leidel auch neue Workflows. Die Zukunft gehöre der Teamarbeit bei gleichzeitiger Differenzierung.

Christian Jakubetz forderte ebenfalls eine  neue Denkweise. Journalisten müssten digital denken. Eine neue Denkweise sei erforderlich, einfach alles auf alle Kanäle verteilen sei nicht genug. Bei regionalen Tageszeitungen, so Jakubetz, sei crossmediales Denken vielfach noch nicht angekommen. Markus Hündgen führte den Begriff des transmedialen Arbeitens ein – wie verknüpfe ich Erzählformen und wie bringe ich die Geschichte zu den Menschen.

Wie passen Twitter, facebook, soziale Netzwerke in die Vorstellung von crossmedialem Arbeiten war ein weiteres Thema in der Diskussion. Lesern, Hörern , Betrachtern auf Augenhöhe zu begegnen, das hielten die Redner für einen bedeutenden Aspekt. Mit dem Internet sei eine neue Dimension zur Nutzerbeteiligung hinzugekommen, meinte Hans Helmreich. Twitter sah er dabei in erster Linie aber als Recherchemöglichkeit für Journalisten.  Markus Hündgen war der Ansicht, dass Journalisten häufig Angst hätten , sich selbst zu öffnen. Das Internet sei ein Konversationsmedium. Grunsätzlich sei für ihn crossmedial eine Geisteshaltung. Christian Jakubetz betonte, es gehe nicht um bloße Beteiligung der Nutzer sondern um Kommunikation.

Die Frage nach der Zukunft und dem Stellenwert der Tageszeitungen blieb als Frage in der Veranstaltung nicht ausgespart. Während Markus Hündgen den Beginn des Sterbens der Tageszeitungen in wenigen Jahren voraus sagte, Christian Jakubetz erklärte, das Zeitfenster für Tageszeitungen schließe sich und Steffen Leidel prognostizierte, die Tageszeitungen würden sich so nicht halten, gab ihnen Hans Helmreich durchaus eine Chance für die Zukunft – allerdings nicht, wenn sie ausschließlich auf Aktualität setzen, es gehe um eine Ansprache über den Tag hinaus.

Peter Welchering fasste zusammen: „Wir müssen ein neues berufliches Selbstverständnis von uns finden“.

Wilfried Scholz

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