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Zusammenfassungen der Podien:
Web 2.0: Social Media Manager – neues Berufsfeld für Journalisten in der Unternehmenskommunikation: Eine Zusammenfassung von Bernd Fabritius:
“Auch Unternehmen müssen in Social Media erstmal laufen lernen”
Im Panel „Web 2.0: Social Media Manager – neues Berufsfeld für Journalisten in der Unternehmenskommunikation“ auf dem DJV-Forum Besser Online 2011 in Bonn sprechen drei Social Media Manager aus PR und Journalismus über ihre Jobs.
„In jedem Unternehmen sollte es einen Social-Media-Lobbyisten geben.“ Daniel Backhaus, Teamleiter Social Media Management bei der Deutschen Bahn, sieht Menschen wie ihn künftig für unverzichtbar. Er beschreibt den Social-Media-Manager „als Online-Sprecher in der Funktion eines PR-Sprechers“. In der Veranstaltung ist Backhaus der einzige Podiumsdiskutant, der keinen journalistischen Background hat.
Katrin Schmitt, derzeit Social Media Managerin bei der Agentur Webguerillas, hat laut Eigenangabe 9 Jahre lang klassisch als Redakteurin im Printbereich ihr Geld verdient.
Oft fühle sie sich ganz weit weg vom klassischen Printjournalismus, sagt Schmitt. Sie sei Lobbyistin, Kommunikatorin und Markenbauerin in einem, die für die „Bewältigung der Kommunikation in Krisensituationen das Handwerk der Recherche beherrschen“ und mit Kunden „auf Augenhöhe schnell und klar kommunizieren können“ müsse.
„Im Unterschied zu den Social-Media-Managern im PR-Bereich geht es bei der journalistischen Social-Media-Betreung weniger um Markenbildung“, meint Sebastian Horn. Er arbeitet als Redakteur bei Zeit Online, zu seinen Aufgaben gehört die Betreuung der Facebook- und Twitter-Kanäle und Kommentarbetreuung auf der Website. Spontanität sei in seinem Job eine vorrangige Fertigkeit. „In der Zeit Online-Redaktion ist deshalb schon vorgeschlagen worden, Improvisationstheater mit den Redakteuren zu veranstalten, um Spontanität einzuüben.“ Die Anzahl der Kommentare steige stetig, von einer halben Million im letzten Jahr auf voraussichtlich 700.000 im gesamten Jahr 2011. Die Grenze der Auslastung bei der Kommentarsichtung sei mit der derzeitigen Besetzung jedoch noch lange nicht erreicht.
Monitoring – also die Sichtung des Diskurses in Social Media – bezeichnet auch Katrin Schmitt als immanent wichtig für ihren Job, um auf Kritik und Shitstorms angemessen reagieren zu können. „Voraussetzung dafür ist aber, dass man das Unternehmen und dessen Ziele gut kennt, um den richtigen Ton zu treffen“, so Schmitt. Backhaus stimmt überein und ergänzt, dass auch Kundenwünsche ausgewertet würden, leider aber nicht alle Wünsche umgesetzt werden könnten – „schließlich kostet alles Geld“.
Dennoch müsse man auch einem Unternehmen Fehler im Umgang mit Twitter und Co. zugestehen, da auch Marken wie die Deutsche Bahn in den relativ neuen Kommunikationskanälen „erst mal laufen lernen“ müssten. Beim DB-Twitter-Kanal für Personenverkehr werde jeder Tweet mehrmals gegengeprüft, bevor er abgesendet wird, um Misskommunikation zu vermeiden – denn laut Backhaus kommunizieren viele S.M.-Agenten ihre Tweets und Posts ohne Rücksprache mit der Unternehmensabteilung Öffentlichkeitsarbeit. Natürlich gebe es auch unternehmensinterne Guidelines für den Umgang mit sozialen Medien.
Als Moderator Stefan Prott gemäß dem diesjährigen Besser Online-Motto die Abschlussfrage stellt, was vom Social-Media-Hype bleibe, verweist Backhaus auf die E-Mail. „Diese ist langfristig ein Standard geworden, genauso werden es auch die sozialen Medien“. Auch Schmitt ist sich sicher, dass Social Media Bestand haben werden. Unklar sei jedoch, wie diese künftig beschaffen sein werden und ob sich die Gewichtung und Relevanz der „Großen“ Facebook und Twitter verschieben wird. Horn weiß, dass Zeit Online dorthin gehen werde, wo sich die Leser aufhalten – egal, ob das auch künftig Facebook und Twitter sind.
Wikileaks: Eine Zusammenfassung von Bernd Fabritius:
„Der Service braucht Hand und Fuß“
Im Panel „Wikileaks“ beim DJV-Forum Besser Online 2011 in Bonn stritten Daniel Domscheit-Berg (Openleaks) und David Schraven (WAZ) um das bessere Datenjournalismus-Modell.
Im Mittelpunkt stehe der Mensch. In diesem Punkt waren sich die Diskutanten David Schraven, Ressortleiter Recherche bei der WAZ, und Daniel Domscheit-Berg, ehemaliger Wikileaks-Mitstreiter und jetziger Betreiber von Openleaks, einig. Kern der von Albrecht Ude moderierten Diskussionsrunde war die Frage, ob Whistleblowing-Plattformen wie Openleaks nicht überflüssig sind, da sich Informanten direkt an ein Medium wenden könnten – ohne dabei Gefahr zu laufen, dass Informanten und Passwörter auffliegen wie jüngst bei Wikileaks.
Während Schraven die Überfluss-These von Whistleblowing-Plattformen vertritt, verteidigt Domscheit-Berg sein Modell: Openleaks sei eine Instanz, bei der einem Informant von brisanten Dokumenten absolute Anonymität gesichert sei, weil alle Spuren, die auf den Absender hinweisen könnten, etwa digitale Spuren, IP-Adressen und Metadaten, in einem „technischen Prozess“ automatisch gelöscht würden. Schraven bezweifelt dies. Wenn Informanten Daten direkt an ein journalistisches Medium wie die WAZ schicken und sich als seriös herausstellen, ginge es darum, den Informant als Quelle zu pflegen und ab einem gewissen Vertrautheitsgrad einen direkten Kontakt zu bekommen. Dann wäre ein ganz „konventioneller Kontakt eines Redakteurs“ hergestellt, eine Quelle gewonnen. Um die Authentizität von Daten sicherzustellen, sei natürlich ein Gegenchecken von Fakten als redaktionelle Grundarbeit selbstverständlich.
Woher weiß Openleaks, ob die ihnen zugespielten Daten kein Fake sind? Domscheit-Berg erklärt: „Es ist nicht Aufgabe von uns, diese zu überprüfen, sondern die der journalistischen Partner – Medien wie taz und Der Freitag.“ Ferner käme Openleaks nicht in die Situation, Quellen rechtfertigen oder offenlegen zu müssen, weil Journalisten ihre Quellen geheim halten dürften. Openleaks kann demnach also nicht als Beschaffer der Daten überführt werden. Fazit: Trotz der Fehler bei Wikileaks, wo die Namen von Informanten und Passwörter an die Öffentlichkeit gelangten, sei der Datenjournalismus nach dem Wikileaks-Modell nicht am Ende. „Es muss sichergestellt sein, dass das Management funktioniert, das System schrittweise verbessert wird und der Service, den wir anbieten, letztendlich Hand und Fuss hat“, so Domscheit-Berg. Es ginge nicht darum zu sagen, ob Openleaks oder ein Inhouse-Modell wie das der WAZ besser seien: „Beide Modelle haben die Berechtigung zur Existenz, und als Informant hat man die Wahl, wem man brisante Daten anvertraut. Und das ist gut so“.
Am Ende sei nur wichtig, dass Menschen geholfen ist und die Öffentlichkeit profitiert und besser informiert ist. Das ist schön und gut. Neue (online)journalistische Erkenntnisse hat die Diskussion damit jedoch nicht hervorgebracht.









